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#DigitaleGemeinde

Perspektiven für die Digitalisierung in Kirchengemeinden

© 2019 Getty Images, Tarik KizilkayaKirche digital"Kirchen müssen unbedingt daran arbeiten, die Kommunikation mit ihren Mitgliedern in der digitalen Welt zu gestalten", schreibt Kirchenpräsident Jung in seinem Buch "Digital Mensch bleiben"

Die Digitalisierung hat viele evangelische Kirchengemeinden längst erreicht. Das erfährt auch Pfarrer Dr. Klaus Neumeier täglich. Wie Kirchengemeinden auf die neu entwickelten digitalen Innovationen reagieren können, diskutieren in seiner Gemeinde am 22. November hochkarätige Referenten. Vorab berichtet der Pfarrer, wie seine Gemeinde die digitalen Herausforderungen bisher meistert. Wegweisende Impulse hatte hier sein Bruder, Pfarrer Lutz Neumeier, gegeben.

Wie sehen die Zukunftsperspektiven von Kirchengemeinden angesichts der Digitalisierung aus? Der ARD-Digitalexperte Dennis Horn sieht in einem Youtube-Interview durchaus Potentiale, wenn Kirchen die Möglichkeiten, die ihnen in der modernen Welt zur Verfügung stehen, auch nutzen. Die Christuskirchengemeinde von Pfarrer Dr. Klaus Neumeier in Bad Vilbel nutzt eine ganze Bandbreite digitaler Möglichkeiten. Die Gemeinde ist auf Facebook, Youtube und Instagram aktiv und informiert über einen eigenen Newsletter sowie die Website. „Meine Predigten schreibe ich schon seit 30 Jahren am PC“, ergänzt der Bad Vilbeler Pfarrer.

 

Bruder als Vorreiter der Entwicklung digitaler, kirchlicher Angebote  

Wegweisende Impulse für die digitalen Angebote hatter er von seinem Bruder, Pfarrer Lutz Neumeier aus Lich, erhalten. Lutz Neumeier gilt als einer der Pioniere in Sachen #DigitaleKirche. Lutz Neumeier vertritt die Auffassung: "Auch Kontakte und Begegnungen im Internet in den sozialen Netzen sind wichtige Möglichkeiten, die Menschen zu erreichen." Seine Vorreiterrolle würdigt Bruder Klaus: "Die Bedeutung der digitalen Beziehungsarbeit habe ich von meinem Bruder Lutz gelernt.“ Der Licher Pfarrer Lutz Neumeier hat zudem eine ganze Bandbreite an Apps im Bereich der Konfi- und Jugendarbeit, spirituelle Angebote auf Instagram, Podcasts und digitales Storytelling neben dem digitalen Standard-Angebot der Licher Marienstiftsgemeinde entwickelt. 

 

Kirchengemeinden blicken auf digitale Innovationen

Doch die Digitalisierung entwickelt sich rasant weiter wie Chatbots, Sprachassistenten, künstliche Intelligenz sowie Virtual und Augmented Reality zeigen. Als Medienbischof hatte Kirchenpräsident Jung bereits dazu ermutigt, dass der „digitale Puls“ der Kirche noch beschleunigt werden könne. Aber welche Innovationen eignen sich künftig für den kirchlichen Einsatz, um beispielsweise den Kontakt für Gemeindemitglieder zum Gemeindebüro unabhängig von den Öffnungszeiten zu ermöglichen? Impulse zu diesen Fragen will die Bad Vilbeler Kirchengemeinde beim „Talk unterm Turm“ am 22. November zur Diskussion stellen (Infos unten im Kasten).

 

Auch Pfarrer sind da, wo Menschen sich in sozialen Medien treffen

Den Ratschlag, den viele Verantwortliche in der Kirche immer wieder hören, hat Dennis Horn in dem Youtube-Interview auf den Punkt gebracht: „Kirche soll dahin gehen, wo die Menschen sich aufhalten, zum Beispiel in sozialen Netzen.“  Diese Empfehlung hat u.a. auch die Kirchengemeinde von Pfarrer Neumeier umgesetzt - zumal Bruder Lutz bereits dazu angeregt hatte. Klaus Neumeier berichtet: „Auf sozialen Plattformen gratuliere ich zum Beispiel ehemaligen Konfirmanden  zum Geburtstag, auch wenn sie nicht mehr in Bad Vilbel leben. So haben sie einen Beziehungskontakt zu Kirche.“ Zudem würden beispielsweise über facebook Menschen auf kirchliche Veranstaltungen aufmerksam, die von sich aus eine Kirchengemeinde-Homepage nicht aufrufen würden.

 

Direkte Kontaktaufnahme bleibt im Zentrum, Digitalisierung erleichtert Kontaktpflege

Pfarrer Neumeier hat allerdings auch die Erfahrung gemacht, dass digitale Anwendungen nur eine zusätzliche Möglichkeit zur Kontaktpflege seien. Er erläutert: „In aller Regel erreichen wir Menschen zunächst analog und das ist und bleibt auch im Zentrum.“ Aber die Kommunikation werde auf mehrere Weisen ergänzt „durch die digitale Beziehungsarbeit, die ich auch ausdrücklich genauso bezeichne“, betont der evangelische Theologe. Man könne mit einem Like oder Kommentar Anteil  an Alltags- oder Urlaubserfahrungen der Gemeindemitglieder nehmen und so in losem Kontakt bleiben.  Für Pfarrer Neumeier ein entscheidender Aspekt: „Auch wenn der Kontakt teilweise lose ist - aber wir bleiben so überhaupt in Kontakt.“

 

Kirchliche Service-Angebote im Internet werden genutzt

Dennis Horn hatte auch dafür plädiert, dass Kirche im digitalen Zeitalter Angebote schaffen solle, „die verlässlich, die auffindbar und nutzbar sind für bestimmte Zielgruppen und Lebenslagen.“ Wie die Menschen auf solche Angebote reagieren, erlebt auch Klaus Neumeier: „Insbesondere Tauf- und Traugespräche machen deutlich, dass sich Menschen heute fast durchgängig vor einem Gespräch digital informieren. Und da ist es sehr gut, wenn die Gemeindehomepage alle relevanten Informationen inklusive der Hintergrundgedanken zur Verfügung stellt.“

 

Optimierungspotenziale im Bereich der kirchlichen EDV nutzen

Die gesamtkirchlichen und deutschlandweiten digitalen Angebote der evangelischen Kirche erlebt der Praktiker vor Ort als wenig vernetzt und als verbesserungsbedürftig. Er hat erlebt: „Die landeskirchlichen EDV-Anwendungen sind immer wieder neu fehlerbelastet und pannenanfällig.“ Auch die  „Versuche eines eigenen Portals“ hinterfragt er und schlägt vor: „Hier wären EKD-Lösungen sinnvoll und ein EKD-Digitalbüro wäre sinnvoller als eines nur für die EKHN.“

 

Medienkompetenz stärken

Die problematischen Seiten der sozialen Netzwerke hat Pfarrer Neumeier ebenfalls erfahren. So habe seine Gemeinde einen bundesweiten Shitstorm abbekommen. Allerdings war sie vorbereitet: „Wir haben ein internes Management, um auch damit umzugehen.“ Der Pfarrer sieht allerdings weitere Gefahren im digitalen Bereich: „Die Möglichkeit eines Darknet mit hoher krimineller Energie ist eine Katastrophe. Die enorme Zunahme an Hass, Rassismus, Mobbing und Ausgrenzung in Medien wie whatssapp, facebook oder Instagram ist extrem schwierig.“ Eine medienpädagogische Arbeit dazu sei vor allem in Schulen unabdingbar. Auch Kirchenpräsident Jung hatte in seinem Buch für eine „wirkliche Medienkompetenz“  plädiert, die auch in der Lage sei, die Inhalte der digitalen Medien kritisch zu bewerten: „Bildung muss Menschen helfen, sich in dieser einen, digital erweiterten Welt zu orientieren, in ihr zurechtzukommen und sie aktiv zu gestalten.“

 

Pragmatische Lösungen für die Zukunft gesucht

Wie die evangelische Welt in den Kirchengemeinden mit Hilfe der Digitalisierung weiterentwickelt werden kann, wird am 22. November beim „Talk im Tum“ unter #DigitaleGemeinde beleuchtet. Die Teilnehmenden werden Antworten suchen, wie Gemeinden sich mit ihren teilweise begrenzten Ressourcen fit für die Zukunft machen können.  

 

Talk im Turm am 22. November

Worüber?
„Digital. Gemeinde. Sein.“

Wo?
Bad Vilbel, Christuskirche im Grünen Weg 4

Wann?
22. November 2019 ab 19 Uhr

Mit wem?

  • Dr. Volker Jung sein, Kirchenpräsident der EKHN und Autor des Buches „Digital Mensch bleiben“.
  • Dennis Horn, Fachjournalist für Digitalthemen und Digitalexperte der ARD
  • Moderation: Birgit Arndt, Geschäftsführerin des Medienhauses der EKHN

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