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Modell-Workshop

Strategien zum Erhalt kirchlicher Bauwerke entwickeln

Foto: Bernd-Christoph MaternReferent und flipchartBauarchitekt Joachim Bay sensibilisierte mit einem Workshop die Kirchenvorstände der beiden Kirchengemeinden, rechtzeitig über die Zukunft ihrer Gebäude nachzudenken und für Nutzung und Bauunterhaltung entsprechende Weichen zu stellen.

Kirchen und Gemeindehäuser dienen als Räume für Begegnungen, gleichzeitig stellen sie eine finanzielle Herausforderung dar. Die Bauverwaltung der EKHN hat einen Workshop entwickelt, der Gemeinden Strategien an die Hand gibt, rechtzeitig die richtigen Weichen für die Unterhaltung und Nutzung der Gebäude zu stellen.

Foto: Bernd-Christoph MaternAussenansichtDie evangelische Kirche in Schweighausen ist eins von fünf unter Denkmalschutz stehenden Gotteshäusern im Kirchspiel von Pfarrerin Silke Funk, zu dem neun Ortsgemeinden gehören. Aus Zeiten, in denen es im Ort noch einen Pfarrer gab, stammt das 1935 erbaute Pfarrhaus, in dem es noch einen Gemeinderaum gibt.

 

Von Bernd-Christoph Matern 

Premiere für den Workshop „Gebäudestrategie“ war im evangelischen Dekanat Nassauer Land. Kirchenarchitekt Joachim Bay – sein Dienstsitz ist die Regionalverwaltung Rhein-Lahn/Westerwald in Nassau – hatte ihn in der Referatsgruppe Kirchliches Bauen mitentwickelt. Als Pilotgemeinden hatte er die von Pfarrerin Silke Funk betreuten evangelischen Kirchengemeinden Dienethal und „Becheln, Dornholzhausen und Schweighausen“ ausgewählt. „Die Basis dafür zu schaffen, ihre Gebäude langfristig finanzierbar, qualitativ nachhaltig und gut nutzbar zu entwickeln, ist das Ziel des heutigen Workshop“, begrüßte Bay Mitglieder der beiden Kirchenvorstände im Gemeinderaum des Dienethaler Pfarrhauses sowie Dekanin Renate Weigel. „Die Gebäude sind ein echter Schatz, aber auch eine Last“, unterstrich die Dekanin, wie wichtig das Thema für die Kirchengemeinden des Dekanats ist und für wie sinnvoll sie es erachtet, die vorhandenen Räume von vielen Seiten aus zu betrachten. Dazu gehöre künftig auch ein offener Blick auf Kooperationen mit den Kommunen und der katholischen Kirche.

 

Typische Landgemeinden

In den beiden typischen Landgemeinden des westlichen Hintertaunus mit derzeit knapp 1400 Kirchenmitgliedern, gibt es zurzeit fünf Kirchen, zwei Gemeindehäuser, bei denen es sich um ehemalige Pfarrhäuser handelt, sowie das in Dienethal von Silke Funk bewohnte Pfarrhaus, das ebenfalls über Gemeinderäume verfügt. Außerdem gibt es Nutzugsvereinbarungen mit den kommunalen Versammlungsräumen; neun Ortschaften zählen die zwei Kirchengemeinden.

 

Nutzungsdauer von Kirchen liegt bei 100 Jahre

Am Anfang des rund viereinhalbstündigen Abends stand eine Bestandsaufnahme über den Zustand der vorhandenen Gebäude und die entsprechenden finanziellen Zuweisungen, die die Gemeinden zur Unterhaltung der Gebäude von der Landeskirche erhalten. „In gleichem Maße sollten sie aber auch Mittel zurücklegen, um bei notwendigen Sanierungen auf sie zugreifen zu können“, erklärte Bay den Sinn der so genannten „Substanzerhalt-Rücklage“. Ferner erläuterte er Grundzüge der Haushaltsplanung, die in der Landeskirche bald auf die unternehmerische Buchführung (Doppik) umgestellt wird, sowie Abschreibungszahlen und Grundlagen der Wertermittlung kirchlicher Gebäude. So rechnet die EKHN-Bauverwaltung bei Kirchen mit einer theoretischen Nutzungsdauer von 100 Jahren, bei Gemeinde- und Pfarrhäusern mit 65 Jahren. Nach diesen Zahlen sei die Bauunterhaltung der Gemeinden auch bis 2025 gesichert.

 

Bestandsaufnahme

In Kleingruppen analysierten die Kirchenvorsteherinnen und -vorsteher dann Stärken und Schwächen der einzelnen Immobilien, um sie später mit maximal fünf Punkten in ihrer Bedeutung für die Gemeindearbeit zu bewerten. Neben Standort, Nutzung, Symbolwert und Betriebskosten wurden dabei auch bauliche Kriterien betrachtet wie Größe, Funktionalität, Barrierefreiheit, Energietechnik und zu erwartende Investitionen. 

 

Ideen für eine künftige Nutzung

In einem weiteren Arbeitsschritt sammelten die Gruppen für jedes der Gebäude Ideen für eine künftige Nutzung und erstellten eine to-do-Liste, um diese Vorstellungen und Wünsche konkret umzusetzen. Am Ende des Abends verfügten die beiden Kirchenvorstände über eine Reihe von Bewertungen und Vorhaben, die als gute und realistische Grundlage für den Umgang mit den Immobilien in den kommenden Jahren dienen kann.

Hintergrund

In der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) gibt es knapp 4200 Gebäude, die fast ausschließlich den Kirchengemeinden gehören. Dazu zählen 1283 Kirchen, knapp 1000 Gemeindehäuser und ebenso viele Pfarrhäuser sowie gut 300 Kindertagesstätten. Im Jahr 2016 wurden rund 56 Millionen Euro für Sanierungen aufgewendet, rund 13,3 Millionen Euro steuerten die Kirchengemeinden selbst dazu bei.

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